Straßen ohne Ziel.
- Лилия Денисенко
- 24 груд. 2025 р.
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Es gibt Straßen, die man nicht nimmt, um ans Ziel zu gelangen. Man schaut nicht auf die Uhr und überprüft nicht die Route. Sie existieren nicht, um einen irgendwohin zu bringen, sondern um einen in Bewegung zu halten.
Ich habe mich nicht sofort in diese Straßen verliebt. Früher musste ich immer wissen, wohin ich ging und warum. Jetzt muss ich nur noch das Haus verlassen und den Tag auf mich zukommen lassen.
Besonders auf den Inseln fällt das auf. Die Straße kann abrupt enden – am Meer, an einem Dorf, an einer Abzweigung, wo nichts mehr liegt. Und das ist keine Enttäuschung. Im Gegenteil, es ist eine seltsame Erleichterung, als ob die Welt nicht länger nach Fortsetzung verlangt.
Manchmal fuhr ich planlos. Ich hielt an, wo ich wollte. Ich beobachtete, wie sich das Licht veränderte, wie es ruhiger wurde, wie die Straße allmählich in der Landschaft verschmolz. In solchen Momenten wird einem klar: Bewegung hat nicht immer mit Entfernung zu tun. Manchmal geht es um eine innere Veränderung.
Ziellose Straßen lehren uns, Erwartungen loszulassen. Aufzuhören, nach Ergebnissen zu suchen. Damit nicht jeder Tag zur Pflicht wird. Sie geben uns die einfache Freude zurück, unterwegs zu sein und nicht in Eile zu geraten.
Mir scheint, auf solchen Straßen verliert das Reisen seinen Reiz. Es wird zum Hintergrund des Lebens – sanft, unaufdringlich und authentisch.
Und wenn man genau hinhört, spürt man, wie sich mit der Straße auch der innere Rhythmus beruhigt. Wie das Bedürfnis, alles erklären zu müssen, verschwindet. Wie ein seltenes Gefühl der Zufriedenheit entsteht – wenn man nichts mehr, nichts weiter, nichts schneller braucht.
Manchmal möchte man diese Straßen nicht als Route, sondern als Seinszustand erleben – ich habe hier Orte und Wege gesammelt, die einem helfen, zur Ruhe zu kommen und in diesem Rhythmus zu verweilen.
